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Meinungsbild in den USA - Wen würden Sie zum jetzigen Zeitpunkt zu Ihrem Präsidenten wählen?

Meinungsbild in den USA zur Präsidentschaftswahl
Erhebung
Erhebung durchGallup Organization
Name der ErhebungGallup Daily Election Polling Results for the Presidential General Election
Erhebungszeitraum31.10.2008 bis 02.11.2008
Befragung
Anzahl der Befragten2.824 US-Bürger
RegionUSA
Altersgruppeab 18 Jahre
Besondere EigenschaftenUS-Bürger mir wahrscheinlicher Wahlabsicht; unentschlossene Wähler; eingetragene US-Wähler
Veröffentlichung
Veröffentlicht durchGallup
HerkunftsverweisGallup.com
Veröffentlichungsdatum3. November 2008
Hinweise
Die fehlenden Prozentpunkte an 100 Prozent verteilen sich auf die anderen Antwortoptionen "Würde einen anderen Kandidaten wählen", "Keinen von beiden" und "Weiß nicht". Werte vom 3. November beruhen auf der letzten Schätzung vor der Präsidentschaftswahl.
Bericht zum Thema

03.11.2008US-Wahl

Kopf-an-Kopf wegen unsicherer Wahlprognosen?

Stimme für den vermeintlichen Sieger?
Stimme für den vermeintlichen Sieger?
Morgen fällt in den USA die Entscheidung, wer die kommenden vier Jahre als mächtigster Politiker der Welt im Weißen Haus regieren wird. Die Umfragen sehen Barack Obama deutlich vorn. Doch die Erhebungen vor der Wahl können deutlich von einem späteren Wahlergebnis abweichen.

„Bradley-Effekt“ nennen Wissenschaftler ein Wahlphänomen, nachdem farbige Kandidaten in Telefonumfragen besser abschneiden als bei der Wahl selbst. Benannt wurde der Effekt nach dem früheren farbigen Bürgermeister von Los Angeles Tom Bradley, der bei der Gouverneurswahl für Kalifornien im Jahr 1982 in den Umfragen deutlich vor seinem weißen Kontrahenten lag, die Abstimmung selbst jedoch verlor.

Das Phänomen beruht auf dem Effekt der sozialen Erwünschtheit (siehe Definition soziale Erwünschtheit). Befragte neigen nach dieser Theorie dazu, bei Fragen, deren Beantwortung sie einem gesellschaftlichen Urteil aussetzen, jene Antwort zu geben, die sie selbst für gesellschaftlich akzeptabel halten. In einem Telefoninterview repräsentiert der Interviewer, der eine Person zu seinen Wahlpräferenzen befragt, indirekt diese Öffentlichkeit. Der Anrufer kennt die Telefonnummer des Befragten. Dieser hat daher den Eindruck, sich öffentlich erklären zu müssen.

Als Demokrat gegen Obama?

Erschwerend kommt hinzu, dass die Angerufenen bei politischen Umfragen in der Regel vom Meinungsforschungsinstitut um Auskunft gebeten werden, welcher Partei sie grundsätzlich zuneigen. Tritt nun eine Partei mit einem farbigen Kandidaten an, wie in diesem Fall die Demokraten mit Barack Obama, kann bei weißen Anhängern der Partei der Effekt eintreten, dass sie sich nicht trauen, am Telefon anzugeben, den Kandidaten nicht wählen zu wollen. Als Anhänger der Partei wollen sie sich gegenüber dem Interviewer nicht dem Verdacht aussetzen, aus rassistischen Beweggründen gegen den eigenen Kandidaten eingestellt zu sein.

Vergleichbare Phänomene treten auch bei Wahlbefragungen in anderen Ländern auf, wenn gesellschaftlich als kritisch empfundene Inhalte berührt werden. So korrigieren deutsche Meinungsforscher in der Regel die Ergebniswerte von rechtsradikalen Parteien bei Wahlbefragungen nach oben. Im Telefoninterview vermeiden es Befragte, anzugeben, für radikale politische Gruppierungen abstimmen zu wollen.

Handy-Effekt

Ein weiterer Effekt der Wahlbefragung in den USA wird sich aufgrund der aktuellen Kandidatenkonstellation wahrscheinlich ausmitteln. Für Telefonumfragen werden von Gallup und anderen Instituten üblicherweise nur Festnetznummern angerufen, nicht aber Besitzer von Mobiltelefonen. Viele Amerikaner besitzen jedoch gar kein Festnetz mehr, sondern telefonieren ausschließlich mit ihrem Handy. Diese Gruppe wird in den Befragungen demnach nicht korrekt abgebildet. Da hierunter überproportional viele junge Menschen sind (mehrheitlich Anhänger von Obama), aber gleichzeitig auch überdurchschnittlich viele besserverdienende – und häufig weiße – Arbeitnehmer (tendenziell im McCain-Lager), dürften die aus diesem Auswahlfehler resultierenden Abweichungen gering ausfallen.

Auf der Seite des Siegers

Wähler stehen gerne auf der Seite des Siegers. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint – Wer möchte nicht, dass der eigene Kandidat gewinnt? – offenbart sich auf den zweiten Blick als vorteilhaft für einen in den Umfragen klar führenden Kandidaten. Laut dem sogenannten „Bandwagon effect“ neigen von den Wahlberechtigten, die sich nicht zwingend einem politischen Lager zuordnen, viele dazu, dem vermuteten Sieger ihre Stimme zu geben. Die Handlung beruht zum einen darauf, der Meinung der Mehrheit zu folgen (Stichwort Schwarmintelligenz), auf der anderen Seite birgt sie den Wunsch, nach der Wahl Teil des siegenden Lagers sein zu dürfen. Auf diesen Effekt kann derzeit Barack Obama hoffen, der in den Umfragen deutlich vor seinem Kontrahenten John McCain liegt.

zur Statistik Foto: Barack Obama, flickr/cc

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